Reisen über Land

Ein Abenteuer, schreibt der Duden, ist eine „mit einem außergewöhnlichen, erregenden Geschehen verbundene gefahrvolle Situation, die jemand zu bestehen hat“.

So gesehen, wäre Theos Trip kein Abenteuer, wenn nicht unterwegs ein paar Gefahren oder zumindest Schwierigkeiten auf ihn warten würden.
Neben dem Zustand seines Hinterns – ein Dauerbrenner – waren die größten Widrigkeiten bisher: Schnee, Sattelschlepper, Hunde, Wind sowie, ich zitiere, „Schotterpisten, Riesenpfützen und übertriebene Steigungen auf Schotterpisten mit Riesenpfützen“.
Vor den Straßenhunden wurde Theo bei seinen verschiedenen Begegnungen auf dem Balkan gewarnt, lange bevor ihn die ersten erschreckt haben. Zur Verteidigung empfahl man ihm Stöcke und Steine.

Auf seinem Weg durch Albanien und Griechenland, hat er sich jedoch eigene Strategien angeeignet. Erstens: Hinterhöfe und Nebenstraßen meiden – bisweilen ein Dilemma, weil auf den Hauptstraßen dann die Sattelschlepper warten, die je nach Fahrweise lebensgefährlicher sind als ein Hunderudel.
Zweitens: kenne deinen Feind. „Es gibt hier drei Kategorien von Straßenhunden“, erzählt Theo. „Die einen hängen rum, gehen wenn man kommt. Die wollen eigentlich ihre Ruhe haben oder nur was zu fressen.“ An ihnen fährt er langsam vorbei. „Die anderen sind übermütig, bellen und jagen einem hinterher. In den Bergen in ganzen Clans. Da ist der Leitwolf vorne, die anderen hinten dran.“ In dem Fall steigt Theo ab, geht langsam weiter und guckt die Hunde ab und zu böse an. „Das ist ein Dominanzspiel.“, ergänzt er. „Manchmal lasse ich es drauf ankommen und trete fest in die Pedale, dann ist es ein kleines Wettrennen. Bisher habe ich immer gewonnen, aber das kann auch mal schief gehen.“

Dann gibt es noch die Hunde, die in einen Zwinger eingesperrt sind: „Mit denen geht keiner gut um“, vermutet Theo. „Und ich kann dann nur hoffen, dass kein Loch im Zaun ist.“ Auch hier also, gemächlich vorbei und auf das Beste hoffen.

Auf diese Weise ist Theo unversehrt bis in die Türkei gekommen. Kurz hinter der Grenze hat ihn dann ein Sturm erwischt. Böen von bis zu 60km/h drosselten seine eigene Geschwindigkeit teilweise auf 7km/h. „Auf der Hauptverkehrsstraße konnte ich wählen, ob der Wind mich dann in die Böschung oder in ein überholendes Auto bläst. Fand beides keine Option.“, sagt er im Rückblick. Auf diese Weise ist ein Foto des Fahrrad-Abenteuerers im türkischen „Taksi“ entstanden. Wikipedia definiert „Abenteuer“ übrigens auch als „nicht-alltägliches Erlebnis“.

In der Türkei geht das Abenteuer also weiter, weniger gefahrvoll, dafür umso anregender. In Istanbul hat Theo sich spontan eine Überfahrt nach Bandirma gebucht, zunächst ohne zu wissen, ob das Fahrrad mit darf. Und auf der Fähre hat er sich dann drei Stunden lang mit einem jungen Afghanen über kulturelle Unterschiede unterhalten. Überhaupt ist Theo von dem Land bisher ziemlich begeistert:
„Die Menschen sind entspannt (auch die Autofahrer), die Hunde sind sehr anhänglich und für den Wind kann nun wirklich keiner was.“