Klassisches Setup vs. Bikepacking vs. Hybrid

Ein kleiner Exkurs

Damit nicht nur die Rad-Nerds verstehen, was ich hier schreiben, einer kleiner Exkurs zum Thema „Taschen auf Radreisen“.

Das klassische Setup besteht in der Regel aus zwei Packtaschen am Gepäckträger und einem großen Rack-Pack / Duffle-Bag welches auf dem Gepäckträger angebracht wird. An der Front des Rades sind zwei sogenannte Lowrider-Taschen montiert, komplementiert mit einer Lenkertasche. Mit einem stabilen (Stahl-)Reiserad und Old-School-Laufrädern (oft 26″) kann man so problemlos bis 50kg Gepäck transportieren. Das Fahrrad selbst ist meistens recht apokalyptisch ausgestattet: Rohloff-Nabenschaltung mit Riemenantrieb oder 3×9-Kettenschaltung, Felgenbremsen, Flatbar und der berühmte Brooks-Ledersattel. Diese Ausstattungsmerkmale bieten viele Vorteile (z.B. günstige und überall verfügbare Ersatzteile und leichte Reparierbarkeit) und haben sich nicht umsonst über die letzten Jahrzehnte als der Gold-Standard des Reiseradlers etabliert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Du hast alles dabei, was man auf einem Trip so brauchen kann und kannst neben der Feldküche auch noch eine Sack Reis mitnehmen. Mit dem Setup ist man aber auch langsamer unterwegs (was jetzt kein Nachteil sein muss) und man hat an Steigungen und unwegsamen Gelände mehr zu tun. Ein derart bepacktes Fahrrad lässt sich auch nicht mehr einfach so durch einen Bachlauf heben, sondern muss in mehreren Etappen, Tasche für Tasche auf die andere Seite befördert werden.

Ralf Roletschek / roletschek.at

Reiserad auf Wikipedia

Das Bikepacking-Setup ist ein Trend der letzten Jahre und lässt sich vergleichen mit dem Ultralight-Backpacking aus dem Wandern und Trekking: Minimalistisches Gepäck für Kurztrips und Mehrtagestouren. Die abgesägte Zahnbürste (weil Gewichts- und Platzersparnis) steht hier oft als Sinnbild für den Bikepacking-Fetisch. Die Ausstattung besteht in der Regel aus Rahmentasche(n), Oberrohrtasche, einer großen Satteltasche – der sogenannten „Arschrakete“ – und der Frontrolle. Zusätzliche Ausrüstung wird außerdem gerne an Cages (Haltekäfigen) an der Gabel befestigt. Sowieso können mit den Varianten der sogenannten Volié-Straps Dinge überall am Bike festgezurrt werden. Gewichtstechnisch sprechen wir hier von 5 – 12kg Gepäck (mehr hab ich persönlich in dem Setup noch nicht verladen). Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit leichtem Gepäck reist es sich weiter und mit den schlanken Taschen auch schneller als mit dem klassischen Setup. Darüber hinaus verbirgt sich hinter dem Bikepacking-Ansatz auch noch ein Lifestyle der stark durch Minimalismus geprägt ist. Bikepacking-Räder sind klassische Mountainbikes oder Gravelbikes / Rennräder (Randonneure). Die Fahrräder sind in der Regel modern ausgestattet – gerne auch hochwertige Fahrräder „von der Stange“ –  und verfolgen nur noch selten den apokalyptischen Ansatz der oben erwähnten Reiseräder. Während die Top-Fahrer:innen das Gewicht optimieren um es bei einen Ultradistanzrennen auf die Siegertreppe zu schaffen, geht es dem geneigten Bikepacking Enthusiasten oft auch darum Platz für die Aeropress und die Kaffeemühle in der Rahmentasche haben.