Mit den ersten Sonnenstrahlen im März habe ich meine ersten Versuche gestartet eine Actioncam (DJI OSMO Action – Danke Alex für die Leihgabe) mit auf meine Radtouren zu nehmen. Nachdem ich das drölfte Mal die Kamera auf den Boden gestellt, daran vorbeigefahren, wieder abgestellt und wieder daran vorbeigefahren bin, um eine andere Perspektive als die Ego-Perspektive zu erhalten, war mir klar, dass dies keine Lösung sein kann. Besonders viel Spaß macht das, wenn es dazu noch regnet und saukalt ist, nicht!

Eine 360-Grad-Kamera sollte es also werden. Die Werbeversprechen lauten: Overcapture (Wähle deine Perspektive zu jeder Zeit) und Bildstabilisierung ohne Gimbal. Die zwei Platzhirsche am Mark sind GoPro und Insta 360.  Aus Gründen, die ich leider nicht mehr exakt herleiten kann, habe ich mich für die Insta 360 One X2 entschieden. Preislich nehmen die beiden Geräte sich nicht viel – wenn man mal von dem undurchsichtigen Abo-Angebot von GoPro absieht.

Erster Eindruck

Vor ein paar Tagen hat mir der freundliche DHL-Mann das Paket ins Treppenhaus gelegt – Inhalt:

  • Insta 360 One X2
  • Invisible Selfie Stick
  • Linsenkappe (Da die Optik der Kamera sehr exponiert ist und auf beiden Seiten herauslugt besteht hier eine sehr reelle Gefahr, dass man ruckzuck eine der Linsen verkratzt, wenn man die Kamera nicht vorsichtig ablegt.)

Das Unboxing hat Apple-Niveau: Wenig Verpackung und keine Fummelei an irgendwelchen Klebstreifen. Es freut mich wirklich sehr, dass die Verpackung mittlerweile integraler Bestandteil des Produktdesigns vieler Hersteller geworden ist. Klasse!

Die Insta 360 ist ein tolles Stück Hardware: Fühlt sich gut an und sieht auch gut aus. Den Akku kann mein leicht entnehmen und somit auch wechseln, wenn man die Laufzeit der Kamera mit einem weiteren Akku verlängern möchte. Bedient wird die Kamera über einen Ein-/Ausschalter, einen Auslöser und ein kleines rundes Touch-Display. Die beidseitig angebrachte Status-LED (sehr k-l-u-k) informiert über den Status der Kamera im Einsatz (Ausgeschaltet / Standby / Aufnahme läuft), was ein sehr sinnvolles Features ist.

Der Selfie-Stick ist auch schön verarbeitet, hält im ausgefahrenen Zustand auch ohne dass man ihn extra einrasten muss und harmonisiert mit dem Design der Cam. Diese wird über die 1/4-Zoll-Schraubung an den Stick montiert. Der Stick selbst hat ein eingelassenes 1/4-Zoll-Gewinde am Ende, damit dieser selbst auch nochmal befestigt werden kann.

Einsatzbericht – Video

Ursprünglich hatte ich geplant den Selfie-Stick mit einer Manfrotto Superclamp am Fahrrad zu montieren. Die Klemme – an der ich ansonsten wirklich nichts auszusetzen habe – wiegt aber fast ein halbes Kilo. Für Kameraequipmentverhältnisse ist das sehr wenig, in der Fahrradwelt sind das aber ganz andere Maßstäbe 🙂 Beim China Schrott Versender meiner Wahl habe ich dann aber noch die SMALLRIG Super Clamp (Affiliate-Link) gefunden. Gepaart mit dem Manfrotto Kamerazapfen (Affiliate-Link) komme ich damit auf nur ca. 140g Gewicht.

Dateien, Speicherplatz und Akkulaufzeit

Ich habe bei meiner Ausfahrt insgesamt 56GB Videodaten erzeugt. Das sind ca. 56 Minuten Rohmaterial – ergo: 1 GB pro Filmminute! Das ist schon ne Menge Speicherplatz für das bisschen Film.

Pro Aufnahme werden 3 Dateien erstellt:

  • eine Vorschau (736×368 Pixel)
  • Footage Linse 1 (5,7k)
  • Footage Linse 2 (5,7k)

Der Akku war fast leer, als ich zu Hause angekommen bin. Ich hatte zwar eine 128 GB – Karte im Gerät, wahrscheinlich reichen aber auch 64 GB für eine Akkuladung.

Post-Produktion | Videoschnitt

Das gefilmte Material kann entweder mit der Desktop-App oder mit der Handy-App bearbeitet werden. Beide Anwendungen laufen sogar relativ performant, wenn man die Datenmengen bedenkt, die bei 360-Aufnahmen anfallen. Die Apps können kostenlos bei auf der Webseite heruntergeladen werden. Um schnell mal eine Szene für Instagram oder Facebook zu erstellen reicht das auch völlig aus. Wenn man mehrere Szenen zu einem Film schneiden möchte, kommt an aber an einer richtigen Videoschnitt-Software nicht vorbei.

Adobe Premiere Pro – Expertentipps

Nutzer von Premiere Pro können ohne Umwege die von der Insta 360 erstellten Videos direkt bearbeiten. Bei der Installation der Desktop-App wird man gefragt, ob man die Adobe Erweiterungen gleich mit installieren möchte. Hat man dies erledigt, können mit Hilfe des Premiere Plugins „GoPro Reframe“ auch die passenden Bildausschnitte mit Keyframes gewählt und somit auch spannende Übergänge erstellt werden. Das Plugin fügt auch automatisch eine hübsche Bewegungsunschärfe (motion blur) hinzu, so dass die Übergänge relativ organisch erscheinen.

Eine Bearbeitung auf meine iMac (6 GB GPU, 40 GB RAM) war aber trotzdem noch nicht wirklich möglich. Die Vorschau ruckelte im Sekundentakt – egal welche Vorschauauflösung ich eingestellt hatte. Der empfohlene Workflow ist die Arbeit mit Proxy-Files. Premiere Pro hat dafür mittlerweile einen eigenen Assistenten, der es einem recht einfach macht Videodateien in kleiner Auflösung zu rendern, um dann flüssig in Premiere arbeiten zu können. Hier findet ihr eine gute Erklärung dazu, wie man Proxies automatisch erstellen kann in deutscher Sprache. Youtube ist aber auch voll mit Tutorials zu dem Thema.

Inklusive der oben beschriebene Punkte habe ich somit gut 2,5 Stunden gebraucht um meinen ersten Rohschnitt des obigen Videos zu erstellen. Mit etwas mehr Routine kann ich das aber sicherlich noch auf 1,5-1 h runter optimieren.

Meine „Learnings“